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Geigentöne statt Kriegsgedröhne schrieb am 03.09.2010 um 11:39

Ankündigung: Lebenslaute-Konzert-Aktion 2010 – Geigentöne statt Kriegsgedröhne

Am 5. September 2010 werden wir mitten auf dem Truppenübungsplatz Altmark in der Colbitz-Letzlinger Heide ein Konzert mit klassischer Musik geben. Mit dieser bewussten Grenzüberschreitung setzen wir musikalisch und praktisch einen Kontrapunkt gegen die tödliche Kriegspolitik der Bundesrepublik.

Die Konzertaktion findet gemeinsam mit lokalen Aktivist_innen von Friedens- und Umweltbewegungen und im Rahmen des 206. Friedenswegs der BI Offene Heide statt. Wir suchen für diese Aktion noch Unterstützerinnen und Unterstützer. Flugblatt zum Download.

* Treffpunkt für die Konzert-Aktion: Sonntag, 05.09.10, um 11:00 Uhr an der B189 zwischen Dolle und Lüderitz (Hinweisschilder)

* Vorkonzert: Samstag, 04.09.10, um 19:00 Uhr in “Webers Hof”, Hauptstr. 36, Farsleben (Eintritt frei, Spenden erwünscht)

Weitere Infos (Kontakt, Karten von der Gegend, Aufruf, Musikprogramm) unter Aktion 2010.


Millionäre kennen keine Krise schrieb am 01.09.2010 um 18:47

Fred Schmid

Krisengewinnler! Die Millionäre dieser Welt haben den leichten Rückgang ihrer Finanzvermögen zu Beginn der Krise im zweiten Krisenjahr 2009 mehr als ausgleichen können. Sie sind heute reicher als je zuvor.

Das geht aus dem jüngsten Reichtumsreport (World Wealth Report) von Merrill Lynch und Capgemini hervor. Zehn Millionen Menschen gibt es weltweit, die mehr als eine Million Dollar flüssig haben. Flüssig bedeutet: Sie haben das Geld übrig, der Betrag ist frei verfügbar, ihr luxuriöser Lebensstil ist bereits finanziert. Die Geldsumme kann jederzeit und überall investiert werden. Noch flüssiger, geradezu überflüssig sind die 93.000 Ultra-HNWIs (die Ultra High Net Worth Individuals), zu deutsch die Super-Reichen. Sie haben mindestens 30 Millionen Dollar an liquiden Mitteln – über ein Fünftel mehr (21,5%) als im Jahr davor.Die zehn Millionen "einfache" Dollar-Millionäre sind in der Regel ebenfalls Multi-Millionäre. Sie verfügen über ein gesamtes Geldvermögen von 39 Billionen (39.000 Milliarden) Dollar, 18,9% mehr als 2008. Die Summe entspricht zwei Drittel (67,3%) des globalen BIPs. Pro Vermögenden sind es im Durchschnitt fast vier Millionen Dollar (3,9 Mio.).

In Deutschland gibt es mit Abstand die meisten Geld-Reichen in Europa. Ihre Zahl kletterte im Krisenjahr 2009 um 51.000 (+ 6,3%) auf 861.000, das sind mehr als in Großbritannien (448.000) und Frankreich (383.000) zusammen. In Europa hatte ein Geld-Millionär im Durchschnitt 3,25 Millionen Dollar: Multipliziert mit der Zahl der deutschen Millionäre und auf Euro umgerechnet, ergibt das einen Geldschatz von knapp 2.200 Milliarden Euro. Das gesamte Geldvermögen in Deutschland betrug Ende 2009 4.640 Milliarden Euro. Mit anderen Worten: Ein Prozent der Bevölkerung verf/uuml;gte über fast die H/auml;lfte (47%) des geldwerten Reichtums. Eine solche Reichtumskonzentration gab es noch nie.

Mehr noch. Die Finanzkrise führte nicht zu dem notwendigen, krisenmindernden Abschmelzen des gigantischen Geldüberhanges. Das wäre dann der Fall gewesen, wenn Banken, andere Geldinstitute und Spekulationsfonds echte Verluste hätten hinnehmen müssen oder gar Pleite gegangen wären, was aber durch die staatlichen Bankenrettungsschirme zu Lasten der Steuerzahler verhindert wurde. Oder wenn die gigantischen Geldvermögen durch eine wirksame Vermögens-, Reichtums- oder Millionärssteuer zumindest etwas abgeschöpft worden wären. Zehn Prozent Steuer auf die Geld-Millionäre hätten 2009 220 Milliarden an zusätzlichen Steuereinnahmen gebracht und wären noch nicht einmal an die Substanz gegangen, denn der Zuwachs des Geldvermögens betrug 14,2% in Europa. Mit dem Geld aber wären wirksame staatliche Investitionen in Güter und Dienstleistungen, Struktur- und Bildungsmaßnahmen zur Ankurbelung der Konjunktur und zur Anhebung des Lebensniveaus möglich gewesen.

So aber legen die Geld-Reichen ihre gewachsenen Finanzmittel erneut in der Finanzindustrie an, drehen noch gewagtere Spekulationsräder und beschleunigen die Raserei an den Finanzmärkten. Und die staatlichen Rettungspakete ließen die Staatsschulden explodieren, mit der Folge, dass mit Staatsanleihen dem Geldadel ein neues Anlagefeld eröffnet wurde, dieser jetzt auf den Bankrott ganzer Staaten spekulieren kann. An dieser gigantischen Ausplünderung der Bevölkerung über die Staatsverschuldung und dem Diktat der Finanzmärkte ändern auch etwaige Finanzmarkt-Regulierungen nichts, wie sie jetzt von der Bundesregierung zum G-20-Gipfel vorgeschlagen wurden und die ohnehin nur kosmetischer Natur sind.

Das Problem ist nicht der Damm, das Problem ist die Flut. Solange die Geldfluten nicht abgeschöpft werden, sondern sogar noch ansteigen, nimmt der Druck zu, werden sie an irgendeiner Stelle durchbrechen und die nächste Katastrophe herbeiführen. "Wodurch überwindet die Bourgeoisie die Krisen?", fragten Marx und Engels im Manifest: "Dadurch, dass sie allseitigere und gewaltigere Krisen vorbereitet und die Mittel, den Krisen vorzubeugen, vermindert".


Ungehorsam zum Erfolg schrieb am 24.08.2010 um 23:56

Blockaden gegen Neonazis in Brandenburg kampagnenfähig
Was im Februar 2010 in Dresden und in ähnlicher Form in Lübeck (27. März) und Berlin (1. Mai) erfolgreich erprobt worden war, hat sich auch in brandenburgischen Kleinstädten bewährt - das Blockadekonzept gegen Neonaziaufmärsche. Die Kampagne Brandenburg nazifrei hat gezeigt, dass "ziviler Ungehorsam" von einem breiten gesellschaftlichen Bündnis erfolgreich sein kann und tragfähig ist. In anderen Regionen hingegen wird von offizieller Seite weiterhin versucht, zivilgesellschaftliches Engagement gegen Rechts bereits im Keim zu ersticken.

Unter dem Label "Brandenburg nazifrei" hatten sich im Mai 2010 diverse lokale Vereine, überregionale Organisationen, antifaschistische Gruppen, Parteien, Gewerkschaften und Einzelpersonen zusammengefunden. Im gemeinsamen Aufruf bezogen sich die UnterzeichnerInnen, darunter der Innen- und der Justizminister Brandenburgs sowie drei weitere MinisterInnen des Landes, explizit auf den Konsens von Dresden: "Unser Ziel, den Nazis entgegenzutreten, eint uns über alle sozialen, politischen oder kulturellen Unterschiede hinweg. Wir sind bunt und wir stellen uns den Nazis in den Weg. Von uns wird dabei keine Eskalation ausgehen. Wir sind solidarisch mit allen die mit uns das Ziel teilen, die Naziaufmärsche verhindern zu wollen!"

Nach dem Vorbild Dresdens sollte einer "Demonstrationsoffensive" der mittlerweile aufgelösten Kameradschaft Märkisch-Oder-Barnim (KMOB) entgegengetreten werden. Bereits der erste Versuch in Bernau geriet für die KMOB zum Desaster, war doch noch vor dem eigentlichen Start schon wieder Schluss. 500 Menschen blockierten die Route. Den Aufmarsch eine Woche später in Eberswalde sagte die KMOB - wohl aus Angst vor einer erneuten Schmach - am Vorabend ab.

Lediglich in Bad Freienwalde gelang es Brandenburg nazifrei nicht, die Demonstration zu verhindern. Nach einer erneuten erfolgreichen Blockade in Strausberg, bei der die Polizei teils unverhältnismäßig hart gegen die Protestierenden vorging, kam es am 2. Juli zu einer Razzia gegen Mitglieder der KMOB. Um einem drohenden Verbot zuvorzukommen, löste sich die Kameradschaft am 4. Juli auf und sagte den letzten Aufmarsch ab.

Nicht zuletzt die dreiste Themenauswahl der Neonaziaufmärsche mag zum Erfolg von Brandenburg nazifrei beigetragen haben. Wirkten die Themen auf den ersten Blick relativ willkürlich, entpuppten sie sich bei näherem Hinsehen als perfide, leicht zu entlarvende Provokationen mit explizit lokalem Bezug.

In Eberswalde hätte es "gegen linke Gewalt" gehen sollen. In der nordöstlich von Berlin gelegenen Kleinstadt war Amadeu Antonio das erste Nachwendeopfer neonazistischer Gewalt geworden. Im Jahr 2000 wurde in der Stadt der linke Punk Falko Lüdke durch Neonazis ermordet. Ausgerechnet zum zehnten Jahrestag dieser Gewalttat wollte die KMOB durch Eberswalde marschieren. Am 12. Juni in Bad Freienwalde forderten die Neonazis ein "freies Jugendzentrum". Genau zwei Jahre zuvor hatte ein Neonazi aus dem Umfeld der KMOB einen Brandanschlag auf das örtliche linke Jugendzentrum verübt und war mit einer Bewährungsstrafe davongekommen.

Ziviler Ungehorsam - also einzukalkulieren, durch friedliche Blockaden möglicherweise Gesetze zu übertreten - mag nicht allzu spektakulär sein. Doch einen solchen Konsens in einem Bündnis von Antifa über CDU-Bürgermeister bis zu Ministern der Landesregierung vereinbart zu sehen, ist durchaus bemerkenswert. Zumal Brandenburgs Offizielle den dortigen Neonaziaktivitäten oft mit Ignoranz begegnen und antifaschistische Gegenproteste als größeres Übel beäugen.

Brandenburg nazifrei hat gezeigt, dass auch in Kleinstädten und zudem in nur wenigen Wochen verwirklicht werden kann, was in einem anderen Maßstab in einer Großstadt wie Dresden immensen Mobilisierungsaufwand und jahrelange Anstrengungen brauchte. Ein politischer Gewinn war die Bereitschaft zahlreicher, durchaus auch konservativer politischer Akteure, sich im Bündnis einzubringen und antifaschistischen Gruppen auf Augenhöhe zu begegnen. Gerade im Hinblick auf die aktuelle "Extremismusdebatte" ist dies alles andere als selbstverständlich. Ein wichtiger Faktor ist sicher, dass gerade in dieser Region antifaschistische Gruppen in den einzelnen Orten präsent und sehr gut vernetzt sind.

Dass aber Erfolg oder Misserfolg oftmals von ordnungspolitischem und polizeilichem Kalkül abhängig sind, zeigen Beispiele aus anderen Regionen. Ende Juli fand in Anklam (Mecklenburg-Vorpommern) eine NPD-Demonstration ohne jegliche Gegenproteste statt. Im Vorfeld waren die Neonazi-Demo wie auch die Gegenproteste - begründet mit den Blockade-Erfahrungen von Dresden - vom Verwaltungsgericht verboten worden.

Während sich die NPD vor Gericht ihr Recht erkämpfte, scheute das Protestbündnis diesen Weg. Als das Verbot der Gegendemo zwei Tage vorher aufgehoben wurde, entschied sich das Bündnis aufgrund der Kurzfristigkeit gegen eine Mobilisierung und riet wegen der rechtlichen Unsicherheit gar von einer Teilnahme ab.

Ähnliches spielte sich im Vorfeld des neonazistischen "Trauermarsches" im niedersächsischen Bad Nenndorf ab. Eine Sicherheitsüberprüfung aller OrdnerInnen wurde eingefordert sowie die absurde Auflage erteilt, die ein Auftreten ganz in schwarz gekleideter Personen in Gruppen untersagt. Außerdem wurde ein Fest des örtlichen Sportvereins aus "Sicherheitsgründen" außer Sichtweite der Neonaziroute verlegt.

Diese Beispiele zeigen: Immer wieder werden Protestbündnissen Steine in den Weg gelegt und eine Kriminalisierung der Gegenproteste betrieben, um eher bürgerliche Menschen abzuschrecken. Dieses Agieren von Teilen des Staates kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein breiter zivilgesellschaftlicher Protest, der auch zivilen Ungehorsam in Form von friedlichen Straßenblockaden mit einschließt, nicht nur legitim, sondern zwingend notwendig ist. Den Nazis die Straße zu überlassen, kann und darf nicht die Konsequenz sein.

Frank Metzger (apabiz)



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Militär hilft? schrieb am 20.08.2010 um 11:53

ISLAMABAD/BERLIN (Eigener Bericht) - Hilfsorganisationen protestieren
gegen die Militarisierung der Unterstützung für pakistanische
Flutopfer durch NATO und Bundeswehr. Man sei nicht erfreut darüber,
für Hilfsaktionen militärisches Fluggerät gestellt zu bekommen,
berichtet der Einsatzleiter von UNICEF. Identisches ist vom
Welternährungsprogramm zu hören. Die Proteste erfolgen zu dem
Zeitpunkt, da die NATO ankündigt, eine Luftbrücke nach Pakistan
einzurichten - voraussichtlich unter Nutzung in Deutschland
stationierter Militärflugzeuge und der Bundeswehr. Berlin bietet auf
dem Flughafen Leipzig-Halle stationierte Antonow-Maschinen und Schiffe
der deutschen Kriegsmarine als Transportmittel an. Der Vorgang hat
nicht nur kurzfristige Bedeutung - er erhöht die Präsenz westlicher
Militärs im pakistanischen Unruhegebiet -, er besitzt auch
strategische Aspekte: NATO-Generalsekretär Asmussen hat vor wenigen
Wochen Islamabad besucht und dort eine langfristige Kooperation des
westlichen Kriegsbündnisses mit Pakistan in die Wege geleitet. Die
Zusammenarbeit schwächt die Stellung eines langjährigen
Kooperationspartners der Regierung in Islamabad - der Volksrepublik
China.


Spaltung der Gesellschaft schrieb am 19.08.2010 um 12:48

Evangelische Kirche beklagt Spaltung der Gesellschaft

Die Evangelische Kirche hat eine zunehmende Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich beklagt. Bereits seit Jahren entwickelten sich Einkommen und Vermögen immer weiter auseinander, sagte der amtierende Ratsvorsitzende Schneider in einem Interview. Er wünsche sich, dass die Bundesregierung einige ideologische Scheuklappen ablege und beispielsweise das obere Segment der Gesellschaft an der Finanzierung des Sparpakets beteilige. In seiner jetzigen Form sei es sozial unausgewogen und verletze das Gerechtigkeitsempfinden vieler Menschen.


Salz der Erde schrieb am 19.08.2010 um 12:46

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Schwestern und Brüder,
der Reformprozess unserer Landeskirche, der 2007 mit dem Perspektivprogramm „Salz der Erde“ angestoßen wurde, geht nun bald ins vierte Jahr. Zeit also, Resümee zu ziehen, auf das zurückzu¬blicken, was bisher geschehen ist und gemeinsam festzulegen, wie es weitergehen soll.
Unsere Landeskirche hat sich auf Ziele geeinigt, die zunächst angestrebt werden:
• Die Verkündigungspraxis wird nachhaltig verbessert.
• Die Bildungsarbeit wird gestärkt.
• Kirchlich bisher nicht interessierte oder engagierte Menschen werden eingeladen und neue Mitglieder gewonnen.
• Die Kirche verpflichtet sich, sorgsam mit ehrenamtlichen wie beruflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern umzugehen.
Bisher haben in unserer Landeskirche 2008 und 2009 zwei Workshops zu den Themen „Qualität von Gottesdiensten“ und zu „Mitarbeit und Leitung“ stattgefunden. Der Fonds missionarischer Aufbruch unserer Kirche hat in den vergangenen Jahren eine Reihe innovativer Projekte gefördert, die besonders neue Zielgruppen ansprechen. Es gibt vielfältige gute Ansätze, wie auch der Zukunftskongress der EKD im Jahr 2009 gezeigt hat. Auf der Internetplattform www.geistreich.de werden viele dieser gelungenen Beispiele kirchlicher Arbeit vorgestellt.
Wir befinden uns mitten in einem landeskirchlichen Veränderungsprozess. Um nun zu entscheiden, welche Richtung der Reformprozess künftig nimmt, fragen wir Sie nach Ihrer Einschätzung zum Stand der Reformen. In einer Online-Umfrage, die sich an alle Gemeinden, Einrichtungen, Werke unserer Landeskirche richtet, an Gemeindekirchenräte sowie alle hauptamtlich Beschäftigten, sollen die bisherigen Erfahrungen zusammengetragen werden. Es geht nicht in erster Linie darum, abzufragen, ob und wie das Perspektivprogramm „Salz der Erde“ umgesetzt worden ist. Vielmehr will die Umfrage erheben, wie in den Kirchengemeinden, Kirchenkreisen, Sprengeln und Einrichtungen im Sinne der Ziele gearbeitet worden ist und gearbeitet wird. Denn davon bin ich überzeugt: Zusätzlich zu den Ideen und Projekten, die direkt durch das Perspektivprogramm angeregt wurden, gibt es weitere, die zwar in anderen Zusammenhängen entstanden sind, aber doch ganz im Sinne der Reformziele zu verstehen sind.
Falls Sie das Perspektivprogramm „Salz der Erde“ nochmals oder erstmalig einsehen wollen, können Sie den Text über die Homepage www.reformprozess.ekbo.de herunterladen.
Mir persönlich ist es ein wichtiges Anliegen, eine breite Meinungsbasis für die Auswertung des Reformprozesses zu erhalten. Daher bitte ich Sie herzlich, sich an der Umfrage zu beteiligen, Ihre Anregungen einzubringen und auch die kritischen Punkte zu benennen. Denn es geht bei dem Reformprozess gerade auch unter den Bedingungen struktureller Veränderungen und notwendiger Sparprogramme um den inhaltlichen Auftrag unserer Kirche, „die Botschaft von der freien Gnade Gottes auszurichten an alles Volk“ (Barmer Theologische Erklärung, These VI).
Sie können den Fragebogen ab sofort unter www.reformprozess.ekbo.de ausfüllen. Sollten Sie keinen Zugang zum Internet haben, erhalten Sie die Fragebögen auch über die Absendestelle des Konsistoriums (Herr Raak: 030-24344-414).
Um ein möglichst differenziertes Bild zu erhalten, werden die Gemeindekirchenräte noch einmal mit einem gesonderten Brief angeschrieben und eingeladen, sich an der Auswertung zu beteiligen. Daneben besteht für Kirchengemeinden, Kirchenkreise, kirchliche Einrichtungen und Gruppen, die sich intensiver mit den Fragen des Reformprozesses befassen wollen, die Möglichkeit, eine zusätzliche, formlose Rückmeldung per E-Mail an info@ekbo.de zu senden.
Letzter Termin für die Eingabe der Daten in den Online-Fragebogen sowie für sonstige Rückmeldungen ist
Donnerstag, der 30. September 2010.
Wenn Sie Interesse haben, persönlich über die Ergebnisse der Umfrage informiert zu werden, können Sie im Fragebogen Ihre E-Mail-Adresse für eine Rückmeldung angeben. Ihre Meinungen und Angaben, die Sie in den Fragebogen eingeben, werden selbstverständlich für die Auswertung von Ihren persönlichen Angaben getrennt und von uns ebenso anonym wie vertraulich behandelt.
Die Umfrage soll dazu dienen, den Fortgang des Reformprozesses zielgenau zu unterstützen. Nach der Auswertung der Umfrage wird die Kirchenleitung über konkrete Unterstützungsprojekte entscheiden.
Bereits jetzt ist deutlich, dass der Austausch über gelungene Reformprojekte und über Probleme der Umsetzung verbessert werden muss. Neben einer erweiterten Form der Kommunikation über Internet wird dieser Austausch auch personell unterstützt werden. Noch in diesem Herbst wird deshalb zur Koordinierung des Reformprozesses im Bischofsbüro eine Projektstelle eingerichtet.
Ich bitte Sie sehr herzlich, sich an der Online-Umfrage zu beteiligen und freue mich auf Ihre Rückmeldungen!
Ihr

Bischof Dr. Markus Dröge


Michael Broch schrieb am 19.08.2010 um 12:43

"Papst fährt Kirche an die Wand"Fernsehpfarrer tritt zurück
Er ist als Sprecher des "Wortes zum Sonntag" bekannt, jetzt tritt er von einem seiner Ämter zurück: Michael Broch. Der Pfarrer hatte den Papst in einem Interview kritisiert.
Nach einem papstkritischen Interview tritt der Geistliche Direktor des "Instituts zur Förderung des publizistischen Nachwuchses" (IFP) in München, Pfarrer Michael Broch, von seinem Amt zurück. Er habe das nötige Vertrauen zahlreicher Bischöfe verloren, teilte die Deutsche Bischofskonferenz mit. Broch gibt das Amt zum 15. August auf. Er hatte die Geistliche Leitung des IFP erst im April angetreten.
Der medienerfahrene Pfarrer, der vielen Fernsehzuschauern auch als Sprecher des "Wortes zum Sonntag" bekannt ist, war am 22. Mai in der "Leonberger Kreiszeitung" mit Bewertungen der kirchlichen Lage und zuspitzenden Aussagen zitiert worden, "die in der Bischofskonferenz für unvereinbar gelten mit der Verantwortung, die dem Geistlichen Direktor des IFP zufällt", wie es hieß.


Frère Alois im Gespräch schrieb am 19.08.2010 um 12:32

"Wir suchen und wir finden Gott"
Prior Frère Alois über die Bruderschaft von Taizé

Auch fünf Jahre nach dem Tod ihres Gründers Frère Roger stößt die ökumenische Gemeinschaft Taizé auf großen Zuspruch bei tausenden jungen Menschen, sagt der neue Prior Frère Alois. Für diese Kontinuität sei man in Taizé dankbar.

Ulrike Timm: Klänge aus Taizé, Fra Alois, Nachfolger von Frère Roger und heutiger Prior von Taizé, schönen guten Tag!

Frère Alois: Guten Tag, Frau Timm!

Timm: Frère Alois, haben Sie heute solche Lieder schon gesungen?

Frère Alois: Ja, dreimal am Tag treffen wir uns hier in der großen Kirche mit den Jugendlichen, die eine Woche hier sind, und das ist so der Mittelpunkt von dem Tagesablauf hier.

Timm: Die Gesänge sind gläubig, sie sind Kultur und sie sind Kult. Was macht denn für Sie ihre Kraft aus?

Frère Alois: Es ist eine gemeinsame Sprache. Wir haben hier Jugendliche, die aus 60, 70 Nationen hier sind, aus den verschiedenen Kontinenten, und diese Jugendlichen suchen, wie können wir heute Wege finden, um uns gegenseitig mehr zu verstehen, auch über Kontinente hinweg. Und das gemeinsame Singen ist ein großer Beitrag dafür.

Timm: Viele Gemeinschaften, die zerbrechen ja, wenn ihr Gründer stirbt. Taizé hat der Tod von Frère Roger nichts von seiner Anziehungskraft nehmen können. Woran liegt das?

Frère Alois: Wir sind auch erstaunt darüber, dass die Besucherzahl noch zunimmt. Aber es bedeutet einfach, dass das, was Frère Roger begonnen hat, nicht auf ihn als Person zentriert war, sondern er wollte wirklich allen Jugendlichen, allen, die herkommen, deutlich sagen, dass Gott nicht einfach nur ein Wort ist, sondern jemand, der existiert und der im Leben jedes Einzelnen da ist, und wir können im Glauben einen Sinn für unser Leben entdecken.

Timm: Liegt der Kern auch in der Kargheit bei Ihnen? Es wird niemand bespaßt, es wird aber auch niemand bepredigt, das ist gemeinsames Singen und gemeinsames Beten. Macht das die Anziehungskraft aus?

Frère Alois: Vielleicht auch das Zuhören, das Aufeinander-Hören. Wir Brüder machen das ganz konkret, jeden Abend bleiben wir lange in der Kirche, um mit allen, die persönlich mit jemandem reden wollen, das zu tun. Und auch die Jugendlichen untereinander, das Aufeinander-Hören, das Über-Grenzen-hinweg-Sichverstehen ist etwas, was in unseren Gesellschaften immer notwendiger wird und immer weniger getan wird. Und das, glaube ich, spielt eine große Rolle hier.

Timm: Hat sich denn seit dem gewaltsamen Tod von Frère Roger in den vergangenen fünf Jahren doch eine Menge verändert?

Frère Alois: Ja, eines zum Beispiel, dass wir wieder, was Frère Roger früher gemacht hat, aber jetzt wieder in verstärkter Form auch Jugendtreffen auf anderen Kontinenten haben. So letztes Jahr in Nairobi und jetzt am Jahresende werden wir ein Jugendtreffen für Lateinamerika in Chile haben. Dieses Aufbrechen hin zu den anderen Kontinenten ist uns in den letzten Jahren wichtig gewesen.

Timm: Aber in Taizé selber hat sich gar nicht viel verändert. Sie haben am Wochenende Frère Roger gedacht, er hat ein ganz schlichtes Grab, ich glaube, die einzige Besonderheit, es sind immer viele frische Blumen drauf, der Ort selber ist praktisch in seinem Sinn gleich geblieben.

Frère Alois: Ja, wir sind sehr dankbar über diese Kontinuität. Wobei man auch sagen muss, dass immer eine neue Generation hierher kommt und jetzt die Hälfte der 5000 Jugendlichen, die diese Woche hier sind, hat Frère Roger oder über die Hälfte hat Frère Roger nie gesehen. Also es bleibt etwas sehr Lebendiges, dafür sind wir dankbar, und wir Brüder staunen auch darüber.

Timm: Deutschlandradio Kultur, das "Radiofeuilleton". Am Telefon ist der Prior der Gemeinschaft von Taizé, Frère Alois. Alle christlichen Kirchen, die steuern bei uns ja derzeit durch schweres Wasser, die ringen um Glaubwürdigkeit - in Taizé ist es nicht wichtig, ob man katholisch, evangelisch, anglikanisch oder sonst was ist. Warum strahlt das auf die offiziellen Kirchen eigentlich so wenig aus?

Frère Alois: Wir sind sehr in Verbindung mit den verschiedenen offiziellen Kirchen und haben jetzt sehr schöne Grußbotschaften bekommen für das 70-jährige Bestehen von Taizé und den fünfjährigen Todestag von Frère Roger, Grußbotschaften von Papst Benedikt, von den orthodoxen Patriarchen aus Konstantinopel, Moskau, von dem anglikanischen Erzbischof aus Canterbury und von lutherischen und reformierten Verantwortlichen der Weltkirche. Also wir fühlen uns sehr eingebunden in die Gesamtkirche.

Timm: Aber Ihnen glauben viele Jugendliche und die offiziellen Kirchen müssen darum immer stärker ringen und wirken auch nicht sehr überzeugend, da muss doch ein anderer Grund noch dabei sein.

Frère Alois: Aber vielleicht haben wir den Vorteil, dass wir eine junge Gemeinschaft sind und nicht die Last von einer langen, langen Tradition haben und so deutlicher machen können, dass wir mit den Jugendlichen auf einem Weg sind, dass Glauben ja nicht einfach bedeutet, ich glaube oder ich glaube nicht, sondern auch als Glaubende sind wir auf einem Weg, auf einer Suche. Wir suchen und wir finden Gott, aber suchen ihn dann auch wieder. Und dieses gemeinsame Unterwegssein können wir vielleicht manchmal etwas deutlicher rüberbringen, als es die Institutionen können, obwohl die das auch natürlich tun.

Timm: Frère Alois, Sie haben so viele Besucher jedes Jahr - "reicht es", in Anführungszeichen, wenn man Stille und Gemeinschaft erfahren möchte bei Ihnen, oder muss man an Gott glauben, um in Taizé willkommen zu sein?

Frère Alois: Oh, es kommen immer auch Jugendliche her, die sagen, ich glaube nicht oder ich bin auf der Suche oder ich will mich einmal den Fragen stellen. Und das ist sehr gut, das tut denen gut, die fest im Glauben verwurzelt sind, und auch denen, die auf der Suche sind, die mit Glauben weniger anfangen können, aber sich auch einmal den Fragen wirklich stellen wollen. Und dafür ist hier ein geeigneter Ort.

Timm: Was erfahren Sie zum Beispiel von einem jungen Menschen, was ein Pfarrer im Beichtstuhl vielleicht nicht erfährt?

Frère Alois: Ich glaube, da gibt es keinen Unterschied.

Timm: Gar nicht?

Frère Alois: Ich glaube nicht.

Timm: Auch nicht aus der Atmosphäre begründet?

Frère Alois: Nein, nein, denn die persönlichen Beziehungen sind wohl das Wichtigste, dass Jugendliche ein offenes Ohr finden, dass Jugendliche jemanden finden, der ihnen zuhört, der nicht sofort sagt, was zu tun ist, sondern zunächst einmal zuhört und versucht zu verstehen. Und das versuchen wir hier und das tun unzählige Leute in den Kirchen an allen Orten.

Timm: Bei den Gottesdiensten in der Kirche von Taizé, da wird viel und gern gesungen, aber es geht auch immer wieder um Stille. Frère Alois, wie klingt für Sie Stille?

Frère Alois: Es bedeutet einfach, dass wir einmal Gott reden lassen - und er redet zu uns auch in dem Bibelwort, das wir vor der Stille hören - und dieses Wort einmal in Ruhe aufnehmen. Heute in unserer schnelllebigen Gesellschaft sind solche Zeiten der Stille wohl immer wichtiger, und es ist erstaunlich, dass am Ende der Woche Jugendliche hier oft sagen, dass die Stille das Wichtigste war. Es ist auch für mich ganz persönlich ein sehr wichtiger Augenblick, dreimal am Tag mit den Tausenden von Jugendlichen hier einfach still zu sein.

Timm: Und es ist ja erstaunlich, dass diese Stille so zuverlässig eintritt - bei 5000 Gästen in einer Art Jugendherbergszeltlager und dreimal am Tag Gottesdienst, zwischendurch Kochen, Essen, Klo putzen.

Frère Alois: Ja, ja, und es ist auch eindrucksvoll, dass die Jugendlichen dieses tiefere Bedürfnis nach Stille hier entdecken, wobei im Alltag doch oft der Stille ausgewichen wird. Stille ist unangenehm und es muss sofort gefüllt mit irgendwelchen Informationen oder Musik. Und hier entdecken wir diese tieferen Bedürfnisse wie Stille, aber auch zum Beispiel Einfachheit - Einfachheit und auch Gemeinschaft mit den anderen. Die anderen sind nicht einfach eine Bedrohung, sondern eine Bereicherung, und das ist etwas, was für unsere Gesellschaften, glaube ich, immer wichtiger wird.

Timm: Frère Alois, Prior der Gemeinschaft von Taizé, ich danke Ihnen sehr fürs Gespräch!

Frère Alois: Bitte schön!



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